Rund drei Millionen Menschen in Deutschland haben türkische Wurzeln. Viele Familien leben seit drei oder vier Generationen hier, pflegen aber weiterhin enge Verbindungen in die Türkei. Es gibt Verwandte in Izmir oder Kayseri, ein Haus im Heimatdorf, Rentenansprüche aus beiden Ländern und Hochzeiten, die mal in Duisburg, mal in Antalya gefeiert werden.
Dieses Leben zwischen zwei Ländern bringt eine Menge Papier mit sich. Und fast immer taucht irgendwann die Frage auf, wer ein Dokument offiziell übersetzen darf und was die Behörde eigentlich verlangt.
Die häufigsten Anlässe
- Eheschließung in Deutschland oder in der Türkei
- Geburt eines Kindes und Eintrag ins türkische Personenstandsregister
- Einbürgerung und Fragen der doppelten Staatsangehörigkeit
- Rentenanträge mit Beitragszeiten in beiden Ländern
- Erbschaften und Immobilien in der Türkei
- Scheidungen und Sorgerechtsverfahren
- Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen
Für all diese Fälle ist eine korrekte deutsch türkisch übersetzung gefragt, meist mit Beglaubigung durch einen gerichtlich ermächtigten Übersetzer.
Namen und Sonderzeichen
Das Türkische nutzt das lateinische Alphabet, allerdings mit eigenen Buchstaben wie ç, ğ, ı, ş oder dem İ mit Punkt. In deutschen Registern wurden diese Zeichen früher oft vereinfacht. So wurde aus Şahin schnell Sahin oder Schahin. Diese Unterschiede führen bis heute zu Problemen, wenn Dokumente aus beiden Ländern verglichen werden.
Ein erfahrener Übersetzer übernimmt die Schreibweise aus dem jeweils gültigen Ausweisdokument und weist auf Abweichungen hin. So lassen sich Rückfragen bei Standesamt oder Rentenversicherung vermeiden.
Rente zwischen zwei Ländern
Viele ältere Menschen haben sowohl in Deutschland als auch in der Türkei gearbeitet. Das deutsch-türkische Sozialversicherungsabkommen regelt, wie diese Zeiten berücksichtigt werden. Für den Antrag sind häufig Nachweise aus der Türkei nötig, etwa Versicherungsverläufe oder Bescheinigungen des türkischen Sozialversicherungsträgers.
Diese Unterlagen sind oft lang, voller Abkürzungen und Fachbegriffe. Eine sorgfältige Übersetzung von Dokumenten dieser Art erfordert Erfahrung mit Sozialversicherungsrecht, damit Beitragszeiten, Leistungsarten und Daten korrekt zugeordnet werden.
Erbschaft und Immobilien
Stirbt ein Familienmitglied mit Vermögen in beiden Ländern, beginnt oft ein langwieriges Verfahren. Türkische Grundbuchauszüge, Erbscheine und Vollmachten müssen übersetzt und gegebenenfalls mit Apostille versehen werden. Umgekehrt brauchen türkische Behörden deutsche Erbscheine und Sterbeurkunden in türkischer Übersetzung.
Hier lohnt sich eine enge Abstimmung zwischen Anwalt, Notar und Übersetzer. Schon kleine Ungenauigkeiten bei Grundstücksbezeichnungen oder Erbquoten können das Verfahren um Monate verzögern.
Nachbarsprachen in der Familie
Nicht alle Familien mit Bezug zur Türkei sprechen nur Türkisch. Manche haben Wurzeln in griechischsprachigen Regionen, in Zypern oder auf dem Balkan. Alte Urkunden der Großeltern, Grundbucheinträge aus der Zeit vor dem Bevölkerungsaustausch oder Dokumente aus Zypern liegen dann teilweise auf Griechisch vor. Für solche Unterlagen wird zusätzlich ein griechisch deutsch übersetzer benötigt, der auch mit historischen Dokumenten umgehen kann.
Deutsch-türkische Familien kennen den Papierkram im Alltag gut, bei dem jedes Formular genau stimmen muss, damit Behörden es akzeptieren. Im industriellen Bereich verlangt das technische Dokumentation übersetzen dieselbe Genauigkeit, nur mit Fachbegriffen aus dem Maschinenbau statt aus dem Verwaltungsalltag. In beiden Fällen entscheidet am Ende ein einziges falsch übersetztes Wort darüber, ob ein Dokument akzeptiert wird oder nicht.
Hochzeit in der Türkei
Wer in der Türkei heiratet und die Ehe in Deutschland anerkennen lassen möchte, benötigt die türkische Heiratsurkunde, idealerweise das internationale Formular, das mehrsprachig ist. Wird eine andere Urkunde ausgestellt, verlangt das deutsche Standesamt eine beglaubigte Übersetzung und oft eine Apostille. Umgekehrt benötigen türkische Behörden für eine Hochzeit in der Türkei ein Ehefähigkeitszeugnis aus Deutschland.
Dolmetscher für wichtige Termine
Nicht nur schriftliche Übersetzungen spielen eine Rolle. Bei Notarterminen, Gerichtsverhandlungen, Arztbesuchen oder Gesprächen mit Behörden kann ein Dolmetscher helfen, besonders wenn ältere Familienmitglieder beteiligt sind, die sich auf Türkisch sicherer fühlen. Gerichte ziehen bei Bedarf eigene beeidigte Dolmetscher hinzu. Bei privaten Terminen sollte man rechtzeitig selbst einen buchen.
Schule und Ausbildung
Auch im Bildungsbereich tauchen regelmäßig Übersetzungsfragen auf. Jugendliche, die einige Jahre in der Türkei zur Schule gegangen sind und nach Deutschland zurückkehren, brauchen übersetzte Zeugnisse für die Einstufung. Wer in der Türkei studiert hat und in Deutschland arbeiten möchte, muss seinen Abschluss anerkennen lassen. Umgekehrt benötigen junge Menschen, die ein Studium an einer türkischen Universität beginnen, ihr deutsches Abiturzeugnis in Übersetzung. Die Notensysteme beider Länder unterscheiden sich deutlich, deshalb ist eine genaue Übertragung mit Erläuterung der Skala wichtig.
Zeit einplanen
Viele Behördenwege dauern länger als gedacht. Apostillen müssen in der Türkei beantragt werden, Originale per Post verschickt, Übersetzungen beglaubigt. Wer einen festen Termin hat, etwa eine Hochzeit oder eine Frist beim Nachlassgericht, sollte mehrere Wochen Vorlauf einplanen. Eilaufträge sind möglich, kosten aber mehr und lösen nicht das Problem fehlender Apostillen.
Praktische Tipps
- Bewahren Sie Originalurkunden aus beiden Ländern sicher und geordnet auf.
- Fordern Sie in der Türkei nach Möglichkeit internationale, mehrsprachige Urkunden an.
- Klären Sie vor der Übersetzung, ob eine Apostille nötig ist.
- Achten Sie auf die einheitliche Schreibweise der Namen.
- Lassen Sie wichtige Dokumente einmal beglaubigt übersetzen und verwenden Sie Kopien.
Eine Sprache mit großer Reichweite
Türkisch wird von rund 80 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen und gehört zur Familie der Turksprachen. Der Wikipedia-Artikel zur türkischen Sprache erklärt unter anderem die Schriftreform von 1928, bei der das arabische durch das lateinische Alphabet ersetzt wurde. Ältere Familienurkunden aus der Zeit davor sind deshalb in osmanischer Schrift verfasst und erfordern besondere Fachkenntnisse.
Fazit
Deutsch-türkische Familien bewegen sich selbstverständlich zwischen zwei Ländern. Damit auch die Bürokratie mithält, braucht es korrekte Übersetzungen, einheitliche Namensschreibweisen und die richtige Reihenfolge von Apostille und Beglaubigung. Wer das beachtet, erspart sich und seinen Angehörigen viele Umwege.
